
Bob Dylan 1973: "Knockin' on Heaven's Door" (Foto: hugovk)
Am Bahnhof Wien Mitte hörte ich ”Knockin’ on Heaven’s Door” das erste Mal. Bewusst, gekannt hatte ich die Nummer wohl schon vorher.
Der Anlass: Wiederholung von Folge 3 (“Bahnhof Wien Mitte”, 1977) aus der geliebten österreichischen Kiebererserie “Kottan ermittelt” in den 80ern auf 3SAT. Eigentlich sollte ich den legendären Beinahe-Monolog des Stadtstreichers Drballa (Carlo Böhm) mit dem späteren Mordopfer Horvath auf Tape mitschneiden, um ihn dann abzutippen:
Heit is nu kölda ois gestern. Üwahaupt noch ana Nocht im Münzklosett. Dös is mei Hotöi. Um an Schülling. Büllig, ned woa? [Blickt rüber] Sie glaubn viellaicht, dass i scho in da Fruah angsoffn bin? Is owa net woah. Schauns: [Steht auf] No, wackl i vielleicht? No, wackl i? [Setzt sich wieder] Na segns, ich wackl nicht.
[Pause]
In Erwin hots erwischt. – Wen?- Da Erwin bin i! – Wer hot di dawischt? – Die Krise! – Bledsinn.- Oiso, won i in meim Lebn a Göd hätt, i däd a Münzklosett eröffnen. Dös is des anzige krisnsichere Gschäft. Weui gschissn wird imma.
Einen Halbsatz später klopft Horvath nach einem Schuß aus einem Zielfernrohrgewehr an die Himmelstür und Drballas Karriere als Kottans unrasiertes & dauerblaues Todesengerl beginnt. An der Stadtbahnhaltestelle Bahnhof Wien Mitte, Ende der 70er noch Sniper-freundlich nicht überdacht, doch schon trist-modern genug zum Sterben.
Und genau diese Geschehen hat man mit Bob Dylans “Knockin’ on Heaven’s Door” hinterlegt. Die Szene startet mit dem Song, mal leiser, dann wieder füllend – bis es für Horvath ans Ableben geht. Ich hatte mir den Mitschnitt mit dem Song im Hintergrund so oft angehört, dass ich Drballas Textpassage noch heute auswendig kann. (Siehe oben. Jedoch kein Nachteil: die Kernaussage erwies sich als zeitlos. Passt 2009 in jedes Business-Meeting.)
“Knockin’ on Heaven’s Door” ist mir geblieben. Als Grau-in-grau-Untermalung für Münzklosett-Stimmungen. An manchen Abenden läuft die Nummer als Loop – immer und immer wieder, bis ich sie nicht mehr bewußt wahrnehme.
Bob Dylan hatte den Song 1973 zum Soundtrack für Sam Peckinpahs Western “Pat Garrett & Billy The Kid” beigesteuert. – Eindringlichkeit? Stimmung? Thema? … “Knockin’ on Heaven’s Door” zählt zu den meistgecoverten Songs überhaupt. Erste, zweite, dritte Liga, alle haben sich daran versucht: The Grateful Dead, Bon Jovi, Aerosmith, Bryan Ferry, Bruce Springsteen, Televison, Guns n’ Roses, Bob Marley, Eric Clapton. Und wer sich den Spaß macht, auf iTunes die über 100 gelisteten Versionen durchzuhören, wird schnell feststellen … a) die bekanntesten Coverversionen (Guns n’ Roses, Eric Clapton, Avril Lavigne) sind nicht die besten und b) der alte Dylan schneidet gegen seine jüngere Konkurrenz gar nicht so schlecht ab.
Hier also meine ultimative Hitparade der “Knockin’ on Heaven’s Door”-Interpretationen, eine Drballa-tauglicher als die andere. Pokal und Platzkarten fürs Gedränge an der Himmelstür gehen an:
- Sisters Of Mercy (1990, B-Seite von “Dr. Jeep”, Live in Bremen 1985)
- Selig (1999, Album “Für immer und selig”)
- Bob Dylan (1973, Original Soundtrack “Pat Garett and Billy the Kid”)
- United Rhythms of Brazil (2006, Album “Bossa N Roses”)
- C. J. Johnson (2006, Album “The Feel Sessions 1″)
- Elena Watson (2004, Album “Rising from the Ashes”)
- Burnside Exploration (2006, Album “The Record”)
- Daniel Lioneye (2001, Album “The King of Rock’n'Roll”)
- Lazare S. Halk (2009, Album “G8″)
- Television (1982, Album “Bow Up”, Live)
Die düstere Nummer 1 in Bild & Ton - Andrew Eldritch / The Sisters of Mercy: “Knockin’ on Heaven’s Door”
(Unerfüllt blieb und bleibt mein Wunsch nach einer “Knockin’ on Heaven’s Door”-Coverversion von den L. A. Doom-Metal-Heroes Saint Vitus. Schade.)
