“Ernsthaft umdenken“, flüstert der Zeitgeist. Sparen ist modern, Nachhaltigkeit ist in, “bewusst Konsumieren” beim solventen Käufer angekommen. Alle tun’s. Barack Obama, Bono, Claus Peymann, Anja Kruse, Richard Lugner. Da muss ich wohl auch – schließlich will ich nicht als Konsum-Dinosaurier dastehen. Und vielleicht fällt mir ja der Einstieg leichter als den Vorgenannten: In den Biosupermarkt ging ich ja auch schon, als der noch ein -laden war, “Flohmarkt” war mein Begriff für “Vintage”, und meine Autos hab’ ich zwangsläufig gebraucht gekauft. – Aber klar, ab 35 setzt man Fett an. In jeder Hinsicht. Also auf zum Abspecken. – Oder doch nicht? (Kommen nicht ohnedies dürre Zeiten?) Vielleicht geht’s auch nur darum, Symbole zu setzen. (…)
Ja, das ist es! Ich werde Symbole setzen!
Und was eignet sich dafür besser als ‘Eco-iconic Products’? – Ökologisch vorbildhafte Konsumgüter des täglichen Bedarfs. Aus-alt-mach-neu zum Beispiel. In ihrem Vorleben Masse des entfesselten kapitalistischen Warenkreislaufs, heute schon geläutert, wiedergeboren: recycelt. Sie sind Taschen, Jacken, Geschirrtücher, Vorhänge, Kinderspielzeug, Blumentöpfe … gefertigt aus Altmaterial. Und die Wiedergeburtenrate geht durch die Decke: Recycelte Produkte sind längst weltweiter Trend. Häufig produziert von, was die Amerikaner “Minipreneurs” nennen, die österreichische Wirtschaftskammer “EPUs” und der Volksmund “Spinner”: Kleinstunternehmen. Die wachsende Produktpalette demnächst im örtlichen Recycling-Stylemarkt oder im Webshop Deines Vertrauens, etwa im englischen Ethicalsuperstore.
Also bestelle ich bei “Worn Again” eine Umhängetasche, produziert aus “Ex-Army tents, seat belts, inner tube, scrap material”. Ich hätte sie zwar nicht gebraucht – sie ist aber schick und der Fahrradreifen als Randstück macht sich ausgezeichnet.
Und ich bin stolz auf mein neues Öko-Ethik-Artefakt.
Taschen sind die wohl beliebteste Lebensform nach Wiedergeburt. Auf sie geht der Trend zurück. Und das Angebot war und ist groß: von der ehemaligen LKW-Plane (Berlingbag), über die legendäre, wiederverwertete Schweizer Armee-Decke (Kultbag), reanimierte Werbebanner (Commercial Drive) oder bunt-geflochtenes Verpackungsmaterial (Ecoist).
Als nächstes ordere ich ein Erwachsenen-Sabberlätzchen. Das neue Universalrezept, um die obligatorischen Kernöl- und Gulaschflecken zu entschärfen (okay, mit Messer & Gabel Essen lernen wäre natürlich auch eine Alternative). “Dirt Shirt” nennt sich das Konzept, aus alten Hemden Speise- und Kleckerwäsche für Sie und Ihn zu fabrizieren. Die Idee hierfür stammt von der etwa schrulligen Amerikanerin Margo Roth, die schon bislang in ihrem Shop Jemfruit Innovatives feilbot. Auf Youtube erklärt sie dem (noch) ahnungslosen Endverbraucher die “Dirt Shirt”-USP:
Alles klar? (…)
Für überzeugte Öko-Shopper fängt ohnedies hier erst das Abenteuer an.
Wer weniger vorsichtige, sondern richtig große Zeichen setzen will, kann sich natürlich von Kopf bis Fuß wiederaufbereitet einkleiden, sein gesamtes Haus recycelt einrichten, für den Ablebensfall Organe freigeben und last but not least mit einem Kartonsarg (Ecofunerals.com) Holz sparen.


LOL. Hätte geschworen, das Dirt Shirt wäre ein Aprilscherz. Scheint aber echt zu sein…